|
Ich möchte Ihnen hier 3 Mittel vorstellen, die als wichtige Kollapsmittel bekannt sind. Sie können im Ernstfall sehr nützlich sein. Trotzdem möchte ich im Vorfeld nochmals anmerken, dass auch homöopathische Mittel Wirkungen haben, die Laien nicht absehen können und deshalb eine Therapie in ausgebildete Hände gehört. Diese 3 Mittel haben als Einsatzgebiet nicht nur den Kollaps zu bieten, sondern sind zu einer Menge mehr imstande. Dies gibt uns die Chance die Mittel zu differenzieren um dem Patienten das Ähnlichste zu verabreichen, welches dann auch den gewünschten Erfolg bringt. Beginnen möchte ich mit: Carbo vegetabilis = Holzkohle dieses Mittel wird aus verkohlten Rotbuchen- oder Birkenholz gewonnen. Es besteht zu 99% aus Kohlenstoff und Kohlenstoff ist der wichtigste Baustein aller organischen Verbindungen. Kohlenstoff und Sauerstoff verbinden sich zu Kohlensäure. Ein Mangel oder ein Überschuss führt zu Störungen der Atmung (Gasaustausch). Holzkohle ist als Absorptions- oder Entgiftungsmittel bekannt, wird es aber homöopathisch zubereitet, dann besteht die Wirkung nicht in der Bindung der Gifte, sondern es regt das System der großen Abwehr an. Das reticuloendotheliale System wird angeregt. Beginnen sollte man eine Therapie allerdings nicht mit Carb.-v., denn das Mittel zeigt seine Höchstform bei Folgen länger zurückliegender Krankheiten. Carb.-v. zeichnet sich durch Schwäche und Erschöpfungszustände mit Angst wie kein anderes Mittel aus. Es ist das Mittel bei ewiger Schwäche die eine fortgesetzte Neigung zu allen möglichen Krankheiten zeigt. Die Beschwerden sind hartnäckig und werden durch akute Veranlassung ausgelöst, sie nehmen langsam zu und wollen nicht abklingen. Die Lebenskräfte erschöpfen sich. Nash sagt: "Natürlich kann kein Mittel Tote erwecken, und seien die Indikationen bei dem sterbenden noch so deutlich, aber kein Mittel kommt dem Näher als Carbo." Bei einem Kollaps kommt es zu Eiseskälte der Haut mit beginnender Atemlähmung. Der Kopf des Patienten ist meist heiß, der gesamte übrige Körper, die Haut, der Schweiß, usw. sind kalt. Besonders von den Knien zu den Füßen. Die Atmung ist beschleunigt und kalt, aber flach und hat einen üblen Geruch. Die Tiere liegen in der Regel mit weitgeöffnetem Maul und zeigen eine ausgeprägte Bauchatmung. Auf Grund von Durchblutungsstörungen und dem herabgesetzten Gasaustausch kommt es zu einer Schädigung der Schleimhäute. Es kommt zu Atemnot mit Rasseln, Giemen und Pfeiffen. Das venöse und arterielle System bricht zusammen. Es kommt zu Stauungen und Kohlensäureüberladung. Cyanose und Sickerblutungen sind die Folge. Die Blutzirkulation wird immer stärker eingeschränkt. Es herrscht ein desolater Kreislaufzustand und durch die mangelnde Zirkulation des Blutes kommt es zu Störungen der Temperaturregulation. Meist liegen die Tiere fest, wie tot und sind nicht in der Lage aufzustehen. Sie haben eiskalte Gliedmaßen. Camphora = Kampfer gehört zur Familie der Lauraceae. Das homöopathische Mittel wird durch Wasserdampfdestillation von zerkleinerten Holzstückchen vom Kampferbaum, Cinnamorum camphorae, einem in Ostindien wachsenden Baum hergestellt. Kampfer antidotiert oder verändert die Wirkung von fast allen pflanzlichen Mitteln, den Schlangengiften, usw. Deshalb sollten Arzneien die Kampfer enthalten nicht neben Homöopathika aufbewahrt werden. Kampfer wirkt vor allem auf das Zentrale Nervensystem, hier im besonderen auf das Gefäßnervenzentrum (Vasomotorenzentrum). Außerdem erhöht er die Reizbarkeit im autonomen Reizbildungs- und Reizleitungssystem. Kampferpatienten sind ruhelos und ängstlich. Wenn er kollaptisch wird, gleichgültig aus welchen Ursachen der Kollaps eintritt, dann ganz plötzlich mit rapidem Kräfteverfall. Die Haut ist eiskalt, der Patient zeigt kalten Schweiß, aber er möchte auf keinen Fall zugedeckt werden. Dazu kommt noch brennender Durst. Der Atem ist kalt. Es können Krämpfe in jeglicher Form auftreten, tetanisch, epileptiform und/oder periodisch wiederkehrend. Lathoud beschreibt den Kollaps bei Kampfer wie folgt: "Kollaps mit Erschlaffung der Muskulatur, geistige Schwäche, totale Erschöpfung mit zunehmender Kälte und nervösen Krämpfen, fortschreitende Verlangsamung des Kreislaufs mit immer schwächer werdendem Puls, Abstumpfung der Sinne bis hin zum echten Koma". = weiße Nieswurz, weißer Germer, Lauskraut stammt aus der Familie der Liliaceae. Veratum album ist schon sehr lange als "Wirkpflanze" bekannt. In der Antike nutzte man es als "Mordgift" und es fand Einsatz als "Wahrsagerpflanze". Veratum album wird aus dem Wurzelstock einer Staude gewonnen. Der Inhaltsstoff Protoveratin wirkt hauptsächlich auf die peripheren Nervenendigungen der quergestreiften Muskulatur als Muskel- und Nervengift, auf das Gefäßsystem und das Herz. Die Anspannungsphase der Muskulatur ist normal, aber die Entspannungsphase dauert 40 - 50 mal länger als normal. Die Giftstoffe der Pflanze werden über die Haut aufgenommen, wobei sich zuerst nur ein Jucken und Brennen einstellt, welches sich dann aber in völlige Anästhesie steigert. Es kommt erst zu einer Erregung und dann zu einer Lähmung. Man fühlt sich schwach, hinfällig, kalt und hat Angstzustände und Cyanose. Das Gift ruft krampfartige Kontraktionen der Muskulatur hervor, reizt den N. vagus, der in Folge gelähmt ist. Dies führt dazu, dass sich der Puls verlangsamt, es kommt zu Erbrechen, Schweißausbruch, Störungen des Sensoriums und zu choleraartigen Durchfällen. Patienten die dieses Mittel bedürfen sind unruhig und reizbar (Hunde beißen schnell), haben Angst und Schwindel. Sie können wegen einer Schwäche der Hinterhand nicht stehen und so findet man sie sitzend oder liegend vor. Bei einem Kollaps sinken die Kräfte schnell, das Tier wirkt vollständig erschöpft, hat kalten Schweiß und kalten Atem. Die Schleimhäute sind cyanotisch. Die Tiere zeigen eine runzelige Haut, welche nach dem Zusammendrücken die Falte stehen lässt. Der gesamte Körper ist kalt. Der Herzschlag ist äußerlich sichtbar. Der Puls ist rasch, aber kaum fühlbar oder verlangsamt. Die Patienten haben Durst auf sehr kaltes Wasser. M.L. Tyler sagt: " Bei Verat.alb. ist alles sehr heftig und gewaltsam" und Guernsey sagt: " Die Erscheinung des Patienten ist nahezu immer verändert und zeigt ein unnatürliches Aussehen." Die Beschreibung der Mittel ist, wie schon Eingangs erwähnt, nicht vollständig und das Wissen um die anderen Symptome erleichtert es dem Therapeuten eine Wahl zu treffen. Vielleicht konnte ich Ihnen auf Grund dieser Beschreibungen verdeutlichen wie wichtig auch Ihre Rolle als Beobachter und "Kenner" des Tieres ist um das richtige Mittel zu finden und den gewünschten Erfolg verzeichnen zu können. Ulrike Schilf, 2007 |